{"id":1773,"date":"1998-11-28T00:00:40","date_gmt":"1998-11-28T00:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.freunde-guter-musik-berlin.de\/?p=1773"},"modified":"2012-10-19T18:16:39","modified_gmt":"2012-10-19T18:16:39","slug":"helmut-oehring-tatjana-orlob-christina-schonfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freunde-guter-musik-berlin.de\/?p=1773","title":{"rendered":"Helmut Oehring \/ Tatjana Orlob \/ Christina Sch\u00f6nfeld"},"content":{"rendered":"<p>28.11.1998<br \/>\nVolksb\u00fchne im Prater<\/p>\n<p><strong>Acht (aus: Der Riss)<\/strong> 1998 (UA)<br \/>\nMusiktanztheater f\u00fcr eine Solot\u00e4nzerin, sieben Darstellerinnen, Projektionen, Zuspiel und Live-Elektronik<br \/>\nHelmut Oehring (Musik, Text), Tatjana Orlob (Choreografie, Tanz), Christina Sch\u00f6nfeld (Chorleiterin)<\/p>\n<p>Helmut Oehring ist einer der ersten Komponisten, der das Existentielle der Sprachen und die un\u00fcberbr\u00fcckbare Kluft zwischen Laut- und Geb\u00e4rdensprache in seiner musikalischen Arbeit zu zeigen versucht. Seine Musik kommt aus der Bewegung und aus der film\u00e4hnlichen Bildhaftigkeit der Geb\u00e4rdensprache, ihrem blitzschnellen Wechseln der zeitlichen Ebenen, dem Hin und Her von Close-up und Totale. Er mixt Harmonien und Kl\u00e4nge, zitiert Musikstile und Umweltger\u00e4usche, l\u00e4\u00dft S\u00e4ngerinnen geb\u00e4rden und stumme Performerinnen singen, sprechen, schreien. Mithilfe des circle-surroundsystems (GOGH-surround music production Berlin) bewegt sich das Klangspektrum seiner Musik von allen Seiten in den Raum hinein, wird der menschliche K\u00f6rper zum schwingenden und vibrierenden Instrument. Oehrings Musik wendet sich an die h\u00f6rende wie an die geh\u00f6rlose Welt, zeigt deren \u00e4sthetische Autonomie und Eigenst\u00e4ndigkeit und hat doch kaum eine Chance, ad\u00e4quat erfahren zu werden. Nur wenige H\u00f6rende sind mit der Geb\u00e4rdensprache vertraut. Wenige Geh\u00f6rlose kennen die gesprochene Sprache und ihre Musik. Viele von ihnen sind von Geburt an taub. Einige k\u00f6nnen mit einem restlichen H\u00f6rverm\u00f6gen den musikalischen Klang erahnen.<\/p>\n<p>Oehrings Musiktanztheater &#8222;ACHT (aus: Der Riss)&#8220; f\u00fcr eine Solot\u00e4nzerin, sieben geh\u00f6rlose Darstellerinnen und Darsteller, Projektionen, Zuspiele und Live-Elektronik ist in konzeptioneller Zusammenarbeit mit Tatjana Orlob entstanden, die Ausschnitte ihres aktuellen Solo-Tanzprojektes &#8222;Prisma&#8220; integriert. Die oben zitierten &#8222;Acht Texte, die zu Ver-Tonen-Ver-Tanzen-Ge-B\u00e4rden sind&#8220; (Oehring), sind eine Art Synthese aus Laut- und Geb\u00e4rdensprache, wobei die Syntax der Geb\u00e4rdensprache \u00fcbernommen wurde. Sie stellen f\u00fcr die Musik von Oehring wie f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Arbeit von Christina Sch\u00f6nfeld den Ausgangspunkt dar. Christina Sch\u00f6nfeld war es, die zum ersten Mal in der Geschichte der Geh\u00f6rlosen Europas als Geb\u00e4rdensprachsolistin mit Profimusikern auf der B\u00fchne stand und sich traute, im zeitlichen Verlauf einer Partitur eine mit der Musik koordinierte Geb\u00e4rdenstimme vor Publikum auszuf\u00fchren. F\u00fcr &#8222;ACHT (aus: Der Riss)&#8220; hat sie als Regisseurin die Texte mit dem Chor des &#8222;Zentrums f\u00fcr Kultur und Visuelle Kommunikation Geh\u00f6rloser Berlin\/Brandenburg e.V.&#8220; einstudiert. Musik, Geb\u00e4rden, Tanz und Texte dr\u00fccken mit gr\u00f6\u00dfter Deutlichkeit das Grundgef\u00fchl vieler Geh\u00f6rloser und Schwerh\u00f6riger aus, zwischen den Welten und ihren Wirklichkeiten zu stehen.<\/p>\n<p>Tatjana Orlob (TanzLabor Berlin), die seit 1983 mit eigenen Solotanzprojekten im In- und Ausland gastiert, thematisiert in ihrem j\u00fcngsten Projekt &#8222;Prisma&#8220; erstmals die eigene &#8222;Schwerh\u00f6rigenproblematik&#8220;: &#8222;Im Gegensatz zur Welt der Stille bei den Geh\u00f6rlosen, handelt es sich bei den Schwerh\u00f6rigen um eine Welt der Halbstille, um eine Zwischenwelt, die ich darstellen m\u00f6chte &#8230; Die Musik als Part der Au\u00dfenwelt und Gemeinschaft ist Freund und Feind zugleich. Schwerh\u00f6rigkeit wird als Gier nach Zugeh\u00f6rigkeit, nach Partizipation an der Welt gezeigt, als zwanghafter Versuch des Guth\u00f6rens und des st\u00e4ndigen Scheiterns an diesem Versuch.&#8220; (Orlob) In &#8222;ACHT (aus: Der Riss)&#8220; wird Tatjana Orlob Teile dieser Arbeit zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.11.1998 Volksb\u00fchne im Prater Acht (aus: Der Riss) 1998 (UA) Musiktanztheater f\u00fcr eine Solot\u00e4nzerin, sieben Darstellerinnen, Projektionen, Zuspiel und Live-Elektronik Helmut Oehring (Musik, Text), Tatjana Orlob (Choreografie, Tanz), Christina Sch\u00f6nfeld (Chorleiterin) Helmut Oehring ist einer der ersten Komponisten, der das Existentielle der Sprachen und die un\u00fcberbr\u00fcckbare Kluft zwischen Laut- und Geb\u00e4rdensprache in seiner musikalischen Arbeit zu zeigen versucht. Seine Musik kommt aus der Bewegung und aus der film\u00e4hnlichen Bildhaftigkeit der Geb\u00e4rdensprache, ihrem blitzschnellen Wechseln der zeitlichen Ebenen, dem Hin und Her von Close-up und Totale. Er mixt Harmonien und Kl\u00e4nge, zitiert Musikstile und Umweltger\u00e4usche, l\u00e4\u00dft S\u00e4ngerinnen geb\u00e4rden und stumme Performerinnen singen, sprechen, schreien. 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