Charlemagne Palestine

14.08.1996
Institut Unzeit

Klavier & Gespräch

Folgend auf seine Carillon-Konzerte bei Sonambiente stellt Charlemagne Palestine im Rahmen einer Soirée im Institut Unzeit seine Musik im Gespräch mit Roland Spekle und Matthias Osterwold vor. Anhand kurzer Klavierstücke wird er seine ungewöhnliche hämmernde (strumming) Spieltechnik demonstrieren, die er als eine Variation über die Techniken des Carillon-Spiels entwickelte.
„Charlemagne Palestine ist neben LaMonte Young, Riley, Glass, Reich und Conrad einer der Begründer der Minimal Music. Minimal Music war eine Reaktion auf die intensive Komplexität der damaligen zeitgenössischen Musik, wie sie etwa von Stockhausen und Boulez komponiert wurde. Palestine behauptet, daß die Minimal Music unabhängig von dem, was sie wurde, einem spontanen, ungeplanten und potentiell heiligen Ort entsprang.
Seine erste ernsthafte musikalische Erfahrung machte er während seiner Kindheit als Sänger von Borduntönen im Synagogenchor. Wenig später spielte er bei Aufführungen für Carillon – ein physisch sehr herausforderndes Instrument, da es mit den Fäusten geschlagen wird. Fünfzehn Jahre später setzte er diese Technik bei seinen oft sehr exzentrischen Performances auf dem Bösendorfer ‚Imperial‘-Flügel wieder ein. Seltsame Kleidungsstücke, ausgestopfte Spielzeuge, Napoleon Cognac und eine endlose Zahl von Zigaretten dienten ihm als Requisiten in einer obsessiven klanglich-schamanischen Suche. Seine Bordunakkorde, die Aufmerksamkeit für resonierende Obertöne und die reine Physikalität des Klangs waren neu und richtungsweisend und hatten später einen großen Einfluß auf Glenn Branca, Sonic Youth und andere.
Palestine versteht sich selbst als Alchemist, der mit dem Aufbau und den Farben von Klang beschäftigt ist, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in transzendentale Erfahrungen umwandelt und damit einen Prozeß der inneren und sogar spirituellen Evolution artikuliert. Obwohl seine Musik von außen betrachtet unveränderlich erscheint, erneuert sie doch in einem natürlichen Prozeß ständig ihre Struktur. Palestines Musik ist ein fließendes Objekt, eine Quelle oder ein Geysir; fast in Abwesenheit von Musik wird ein großer Reichtum an Obertönen und organischen Strukturen geschaffen.“ (Roland Spekle)

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